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Alleinerziehende sind die am schnellsten wachsende Familienform

Der Familienreport 2010, den Familienministerin Kristina Schröder gestern vorstellte, untersucht die Situation der Alleinerziehenden in einem eigenen Kapitel: Statistisch wächst eines von fünf Kindern mittlerweile bei einem Elternteil auf. Der Anteil der Alleinerziehenden ist deutlich gestiegen: Wuchse 1998 nur jedes siebte Kind bei einem Kind Alleinerziehenden auf, so war 2008 schon in jedes fünfte Familie der Fall. Dem Report zufolge ist das Armutsrisiko bei diesen Familien besonders hoch. Rund 41 Prozent der Alleinerziehenden erhalten Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II.

Zu 90 Prozent handelt es sich bei den Alleinerziehenden um Frauen. Zwei von drei alleinerziehenden Frauen sind berufstätig – sie arbeiten deutlich mehr Vollzeit als Mütter, die mit dem Vater ihrer Kinder zusammenleben (42 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent). Besonders hoch ist der Anteil der Alleinerziehenden in Ostdeutschland: Hier ist fast jede vierte Familie alleinerziehend, in Westdeutschland dagegen weniger als jede Sechste.

Schröder erklärte, höheres Kindergeld, das jetzt gekürzte Elterngeld und Kinderzuschlag hätten dazu geführt, dass die Kinderarmut nicht weiter angestiegen sei. Die Armutsrisiken von Kindern lägen seit etwa 2004 auf einem Niveau von knapp 18 Prozent. Laut Studie wäre der Anteil der Kinder in Armut in Deutschland ohne staatliche Unterstützung etwa doppelt so hoch.

Als Erfolgsgeschichte wertete Schröder das vor drei Jahren eingeführte Elterngeld. Jeder fünfte Vater nehme mittlerweile Partnermonate in Anspruch, darunter überproportional viele Väter in Führungspositionen, sagte die CDU-Politikerin. Zudem gäben 60 Prozent der Männer an, Elternzeit nehmen zu wollen, wenn sie Kinder haben. Schröder wertete es als positiv, dass die Geburtenrate in den letzten Jahren bei rund 1,36 Kindern pro Frau “sehr stabil” geblieben sei.

Aus dem Report ergibt sich zudem, dass immer mehr Frauen Hauptverdienerinnen der Familien sind: In Westdeutschland stieg ihr Anteil von 1991 bis 2006 von sieben auf knapp elf Prozent, in Ostdeutschland von elf auf knapp 15 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs auch der Anteil der Paare, bei denen beide gleich viel zum Haushaltseinkommen beitragen.

Unter Berufung auf eine Allensbach-Studie heißt es im Familienreport, dass selbst bei finanziellen Problemen und bei eigener starker Betroffenheit durch die Wirtschaftskrise noch 60 Prozent der Bevölkerung fest mit einer Unterstützung durch die eigene Familie rechnen.

Die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Linken, Diana Golze, kritisierte, Schröder feiere es als Erfolg, dass seit zehn Jahren konstant jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut lebe. “Dies ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung.” Ähnlich reagierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ekin Deligöz. Sie bezeichnete die anhaltend hohe Armutsquote bei Kindern als Skandal. Die SPD-Politikerin Christel Humme forderte Schröder auf, dafür zu sorgen, dass die Kommunen bundesweit eine flexible Kinderbetreuung bereitstellen müssten. Die FDP-Politikerin Miriam Gruß sagte, die zunehmende Zahl Alleinerziehender erfordere noch stärkere Anstrengungen, diese Gruppe gezielt zu fördern.


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