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Deutschland benachteiligt Alleinerziehende steuerlich

Deutschland gehört zur Spitzengruppe der Hochsteuerländer: Im internationalen Vergleich zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die dritthöchsten Abgaben. Zu diesem Schluss kommt eine neue OECD-Studie. Besonders benachteiligt werden Alleinerziehende mit mehreren Kindern.

Paris - Die Kanzlerin hat die Pläne für Steuersenkungen gekippt. Bis 2013 werde es nichts mit dem großen Wahlversprechen von Union und FDP, sagt Angela Merkel. Mit Bezug auf das gleichzeitig beschlossene 750-Milliarden-Paket für die Euro-Rettung titelt die “Bild”-Zeitung am Dienstag in großen Lettern: “Wir sind wieder mal Europas Deppen”.

Das Gefühl, dass der einfache Arbeitnehmer immer mehr Steuern und Sozialabgaben zahlen muss, dass vom Brutto also immer weniger Netto übrig bleibt, ist weit verbreitet. Ganz kommt das laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) allerdings nicht hin. Demnach liegt der Anteil der Abzüge im Vergleich immerhin unter dem Wert aus dem Jahr 2000. Gleichzeitig stiegen die Löhne durchschnittlich um 20 Prozent.
Im Krisenjahr 2009 ist der Durchschnittslohn in Deutschland laut der Studie um knapp 500 Euro auf 40.929 Euro gesunken. Die Steuer- und Abgabenlast sank aber sogar stärker als im OECD-Schnitt. Die Gründe dafür sehen die Forscher in den Steuersenkungen der rot-grünen Bundesregierung von 2000 und der Erhöhung des Kindergeldes.

Allerdings werden die Arbeitskosten in Deutschland immer noch stärker von Steuern und Abgaben belastet als in den meisten OECD-Ländern, heißt es in der Studie. Über 50 Prozent greift der Staat ab - über Lohnsteuer und Sozialbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Besonders stark leiden darunter Geringverdiener und Alleinerziehende. Bei ihnen liegen die Abzüge nur knapp unter dem Niveau von 2000.

Die OECD ist ein Forum, in dem sich 30 Staaten über ihre Wirtschaftspolitik austauschen. Neben Deutschland gehören unter anderem die USA, Großbritannien, Japan und Frankreich zu den Mitgliedern. Regelmäßig erstellt die Organisation Berichte über die wirtschaftliche Entwicklung der Länder und spricht Empfehlungen aus.

Drei Beispiele aus der Studie zeigen die Ungerechtigkeit im deutschen System:

Bei einem Alleinerziehenden mit zwei Kindern und 67 Prozent des Durchschnittslohns machen demnach Steuern und Sozialabgaben 31,3 Prozent der Arbeitskosten aus. Im OECD-Durchschnitt sind es nur 16,9 Prozent. Die Entlastung in Deutschland beträgt gerade einmal 0,4 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2000 - und begünstigt nur die Arbeitgeber: Der alleinerziehende Geringverdiener muss sogar mehr Steuern zahlen als vor zehn Jahren.

Wenig besser sind demnach Ehepaare mit nur einem Erwerbstätigen und alleinstehende Spitzenverdiener gestellt: So werden bei einem verheirateten Durchschnittsverdiener Abzüge in Höhe von 33,7 Prozent der Arbeitskosten fällig - der OECD-Schnitt liegt bei 26 Prozent.

Quelle: (Spiegel)


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